Der Mensch – ein Tier unter vielen?

Mensch und Tier – Zwei Begriffe mit sich unterscheidenden Bedeutungen. Oder vielleicht auch nicht? Der Mensch distanziert sich oft vom Tier, er sieht sich ihm übergestellt und ist der Meinung, es gäbe massenweise Unterschiede zwischen ihm und dem Tier. Klar, biologisch gesehen sind wir auch Tiere, dank auf empirischen Grundlagen basierender Fakten wissen wir alle, dass wir der Familie der Menschenaffen angehören. Doch sieht man es aus der philosophischen Perspektive auch so?

Aristoteles beschrieb zu seiner Zeit den Menschen als das vernünftige Tier. Ist es also die Vernunft, die uns unterscheidet? Meiner Meinung nach handeln Tiere nämlich nicht unvernünftig, im Gegenteil, Tiere sind ja beinahe von Vernunft bzw. von Instinkten gesteuert. Der Mensch hingegen weiss zwar, wie man vernünftig agiert, unterscheidet sich von den Tieren jedoch dadurch, dass er nicht selten trotz dieses Bewusstseins der vernünftigen Handlungsweise unvernünftig agiert.

Ein weiterer Unterschied, der mir durch den Kopf gegangen ist, ist die Sprache. Wir Menschen haben eine sehr detaillierte mündliche Kommunikation. Doch kann man das von Tieren nicht behaupten? Doch, denn auch bei Tieren wurde bewiesen, dass sie (die meisten) untereinander eine Sprache bzw. eine auf non-verbale Art und Weise basierende Kommunikation zu führen im Stande sind. Diese Erkenntnis hat mich weitergebracht zur Schrift bzw. zur Symbolik. Menschen sind fähig, ein von einem Menschen gezeichneter Tisch, welcher durch die Zeichnung ein Symbol wurde und somit abstrahierend dargestellt ist, als ein solcher zu erkennen und ihn mit „Tisch“ zu beschriften. Für diese Theorie der Unterschiedlichkeit vom Menschen zum Tier habe ich bei den Tieren noch keine Gegenthese finden können.

Nun frage ich mich, wie denn ein Tier wohl denkt, ob es in der Lage ist, zu philosophieren und die Welt zu hinterfragen. Dabei bin ich auf eine weitere mögliche Differenzierung gestossen, nämlich dass das Tier im Vergleich zum Menschen kein Bewusstsein für die eigene Endlichkeit und somit keine Angst vor dem Tod hat. Diese These lässt sich leider nicht empirisch bestätigen oder widerlegen, da es den Menschen kaum gelingen wird, herauszufinden, wie ein Tier denkt, doch ich sehe es als sehr wahrscheinlich, dass sich die Menschen mit der ständigen Angst vor dem Sterben in diesem Punkt von den Tieren unterscheiden.

Ein weiterer Aspekt ist die Fähigkeit zu lügen. Wenn ein Mensch lügt, dann plant er in seinen Gedanken absichtlich, nicht die Wahrheit zu sagen, weil er bereits auskalkuliert hat, dass für ihn die Variante mit der Unwahrheit positivere Konsequenzen bringen wird als die Variante, bei der er die Wahrheit sagt. Ein Tier kann zwar lügen, doch weil es meiner Meinung nach dies nur tut, um seine naturgegebenen Triebe und Instinkte, und nicht wie der Mensch, der auch über belanglose Dinge lügt, zu befriedigen, würde ich es nicht als lügen definieren, sondern vielmehr als täuschen oder als vorgeben.

Man könnte auch davon ausgehen, dass ein einzelner Mensch, ohne jeglichen Kontakt zu anderen Menschen, sich gar nicht vom Tier unterscheidet und der einzige Unterschied somit ist, dass es den Menschen gemeinsam über all die Jahrtausende gelungen ist, diese kulturellen und geistigen Fertigkeiten zu erschaffen und von Generation zu Generation weiterzugeben und –entwickeln.

Natürlich muss man teilweise auf individuelle Tierarten achten und kann nicht die Tierwelt als ein Ganzes sehen, ich habe durch den Text bloss meine groben Gedanken zu diesem Thema aufzeigen wollen. Schlussendlich bin ich mir immer noch nicht sicher, ob wir Menschen uns überhaupt von den Tieren unterscheiden, beziehungsweise ob es nicht despektierlich, ja schon fast ein Zeichen von Hybris des Menschen ist, sich überhaupt als ein sich vom Tier unterscheidenden Wesen zu sehen.

-SB

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