Gedanken zum Existentialismus

Wenn Existenz der Essenz vorausgeht, ist jeder Mensch verantwortlich für das, was er ist.

Ich finde den Gedanken spannend, dass jeder so quasi ins Leben „geworfen“ wird und sich das Leben nach durch seine Entscheidungen und seine Handlungen gestalten kann. Das ist eigentlich grenzenlose Freiheit.

Aber wie so oft haben grenzenlose Freiheit und die damit verbundenen unlimitierten Gestaltungsmöglichkeiten eine Kehrseite. Sie bringen Entscheidungsschwierigkeiten mit sich. Ganz nach dem Motto: Entweder du tust etwas, und du wirst es bereuen, oder du tust es eben nicht und wirst es auch bereuen – so oder so, du wirst es bereuen. Dies behauptet jedenfalls Sartre, überspitzt gesagt. Ich finde das ziemlich pessimistisch, wenn nicht etwas zu pessimisstisch.

Existentialismus ist sehr klar und kennt kein Pardon. Dass jeder Mensch für sich selbst und alle verantwortlich ist, kann positive Gedanken aufrufen: Der Mensch fühlt sich mächtig, allein er kann für sich entscheiden und mit seinen Handlungen die Umwelt beeinflussen. Jedoch sind auch negative Aspekte damit verbunden: Durch den Existentialismus kann sich keiner seiner Verantwortung entziehen und muss sich selbst Rechenschaft ablegen können. Der Gedanke, dass es keinen Gott gibt und nur der Mensch alles kreiert, kann sehr beunruhigend sein. Man hat kein Raster, in dem man sich eingliedern kann. Es gibt kein bestimmtes, vorgegebenes Muster, nach dem man agieren kann oder muss.

Die Nüchternheit dieser Weltanschauung geht soweit, dass man sich nach dieser kein Leben nach dem Tod vorstellen kann. Wir haben also nur eine kurze Zeitspanne auf der Erde. Dies kann dazu führen, dass man die Zeit, die man hat, durch diesen Gedanken, möglichst konstruktiv umsetzt. Aber andererseits kann dies auch, gepaart mit dem Tragen der immensen Verantwortung, zu Überforderung und Stimmungstrübungen führen.

Existentialismus ist extrem nüchtern und knallhart. Ich finde es mutig, wenn Menschen nach diesen Idealen leben.

Ich bin ganz ehrlich, ich könnte das nicht. Ich tue mich schwer mit dem Gedanken, dass ich für alles verantwortlich bin. Oftmals denke ich, dass es das Schicksal gibt, eine Art Weg, ein Plan, dass mich lenkt. Weil es so vorbestimmt ist. Weil es mehr gibt.

Und vielleicht bin ich auch einfach noch zu jung und zu naiv. Aber momentan ist es mir lieber so.

 

RB

 

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