Vernünftig unvernünftig

Ich hätte die Zeit, die ich in das Lesen des Interviews mit Robert Pfaller und in das Schreiben dieses Blogposts gesteckt habe, auch anders investieren können. Ich hätte mich mit einer Tasse Tee und einer warmen Decke aufs Sofa legen und fernsehen können, was mir vielleicht sogar gut getan hätte. Genauso gut hätte ich nichts tun können, einfach eine Weile abschalten. Aber natürlich war ich wie so oft vernünftig und habe mich hingesetzt um meine Aufgabe zu erledigen. Ob das die richtige Entscheidung war? Sagen Sie es mir.

In meinem persönlichen Leben richtet sich auf den ersten Blick viel nach der Vernunft. Ich esse kein Fleisch – Ist ja gesund. Ich rauche nicht – Wer will schon mit dreissig an Lungenkrebs sterben? Ich gehe nicht oft aus – Der Kater könnte mir den nächsten vollgepackten Tag versauen. Ich mache meine Hausaufgaben – Manchmal. Doch wie viel Vernunft ist angebracht? Und wann lohnt es sich, mal vernünftig unvernünftig zu sein?

Es hat mich fast eine halbe Stunde und drei Durchgänge gekostet, das gelesene Interview (hoffentlich) wenigstens grundsätzlich zu verstehen. Und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich Robert Pfaller zustimme und irgendwie doch nicht zustimme. Unentschlossen wie eh und je, die heutige Jugend. Ich verstehe, dass es manchmal wichtig ist zu denken: „Egal, ich mache jetzt was ich will“. Aber ob es eine gute Idee ist, diesen Satz zu seinem Lebensmotto zu machen, da bin ich mir nicht ganz so sicher. Ich kann auch seine Erklärung nachvollziehen, warum wir so denken und handeln wie wir es nun mal tun. Würden wir uns einfach mal gehen lassen, tun was wir wirklich wollen und nicht was andere uns wollen lassen weil sie es nun mal so erwarten, hätte dies  logischerweise Konsequenzen die möglicherweise unangenehm sein könnten. Würde ich in der Schule jede Mathestunde schwänzen und stattdessen an meinem Buch arbeiten, wäre ich wohl sehr viel glücklicher und hätte bald die Schulleitung am Hals. Jetzt stellt man sich natürlich die Frage: Ist es mir das wert? Und seien wir ehrlich, die Antwort wäre nein. Ich stelle meine Ausbildung und Anforderungen meiner Schule über mein Wohlbefinden und wenn man mal so darüber nachdenkt, klingt es unglaublich dumm. Schüler kommen an Punkte, an denen es eigentlich nicht mehr geht und man sich eine Auszeit nehmen sollte, aber der Druck ist zu stark und die Konsequenzen zu hart. Ich wage zu sagen dass, wir mittlerweile so eingelullt sind von Ängsten vor Inakzeptanz und sozialer Entrüstung, dass wir nichts mehr wagen woraus dies resultieren könnte, egal was wir vielleicht unbewusst wollen.  Also macht man weiter und redet sich ein, dass es ja doch irgendwie besser ist so.

Diese Einstellung ist bestimmt nicht die gesündeste aber manchmal muss man wohl einfach durchbeissen. Man kann nicht ständig sagen „Mir egal es geht nur um mich“, manchmal muss man auch ein bisschen zurückschrauben und einfach die Klappe halten. Vielleicht wäre es gut, wieder mehr Spass und mehr Unsinn zuzulassen. Beim Tanzen nicht daran zu denken wie es aussehen könnte, sondern einfach zu tanzen. Bei der Arbeit nicht nach gewonnenen sondern nach zufriedenen Kunden zu gehen. Wenn es regnet den Schirm mal zu zulassen. Und dann krank werden, denn die Konsequenzen muss man tragen.

Was ich sagen will ist: Wir müssen alle ein gesundes Mass finden zwischen „Ich werde der Gesellschaft gerecht und richte mich nach Regeln“ und „YOLO“, denn meiner Meinung nach sind Extreme nie gut. Man schwimmt quasi zwischen Diktatur durch Hirnwäsche oder Gleichheit und Anarchie in der jeder tut und lässt was er will bis die Welt im Chaos versinkt. Wobei man ja nie weiss, was passieren wird, solange man es nicht ausprobiert hat. Wahrscheinlich sowas in Richtung „The Purge“.

Es grüsst, Lego.

Kinder und deren Umgang mit modernen Kommunikationsmitteln

Eine Frage, welche mich schon seit längerem sehr beschäftigt.  Wie wird der Umgang mit Smartphones, Facebook und co in Zukunft aussehen, sprich bei meinen zukünftigen Kindern?

Ich sehe die Entwicklung täglich, da mein kleiner Bruder (12 Jahre alt) und seine Freunde ständig an ihren iPhones/iPod touches hängen. Wenn ich sie dabei sehe, muss ich immer daran denken, wie meine Kindheit aussah und komme zum Schluss, dass diese um einiges vielfältiger war, als diejenige der meisten Jugendlichen heute. Ich war oft draussen, kam vollkommen ohne diese Gerätschaften aus, und es war ein Highlight mal den PC des Vaters zu benutzen. Mein Bruder hingegen erzählt mir, dass es völlig normal sei, in seinem alter ein Smartphone oder dergleichen zu besitzen und dieses auch mit in die Schule zu nehmen.

Ich persönlich finde diese Entwicklung extrem schade und krankhaft, vor allem wenn ich daran denke, dass das Alter, in dem die Kinder die Geräte bekommen, ständig sinkt, während der Gruppendruck diese zu besitzen kontinuierlich wächst.

Was also sollen Eltern tun, damit ihr Kind nicht zum Computer-Nerd wird, und nichtsdestotrotz von seinen Gleichalterigen akzeptiert wird..?

Mehr als nur ein Körper?

Irgendwann beginnt der Körper zu altern, die Haut wird fahl, die Augen müde, der Geist vergesslich. Dann ist es fertig. Man zerfällt in unzählig kleine Partikel, ja, man wird biologisch abgebaut und der Kreislauf ist geschlossen. Das einst da gewesene Individuum ist schon längst vergessen. Mit ihm sind Gedanken gestorben. Das Individuum, das glaubte, mehr als nur ein Körper zu sein, eine unsterbliche Seele zu besitzen.

Ist es nicht ein raffinierter Überlebensmechanismus, zu glauben, mehr als nur ein Puzzle von tüchtigen Zellen zu sein? Wahrhaftig zu denken, man sei mehr (wert)?

Von mir aus darf in meinem Körper jeder biologische Vorgang ablaufen, es dürfen sich abertausende Zellen darin befinden, die Osmose, Mitose oder sonst irgendwas betreiben oder irgendwelche komplizierte chemische Verbindungen eingehen. Schliesslich ist es wissenschaftlich bewiesen.

Ich gebe zu, ich habe Mühe mit biologischen Theorien, wenn es um meine Seele, oder um mein Inneres geht. Es ist wie die innere Barriere, welche damit überschritten wird. Ich will mir nicht vorstellen, dass die eigene Identität nur auf molekulare Vorgänge im Gehirn beruht. Ich möchte innerlich keine blosse Illusion sein!

Ich bin doch mehr als mein Körper?

Diese Vorstellung macht mir Angst, limitiert auf meinen irdischen Körper zu sein. Dass die Lebensuhr tickt. Ich habe nicht panische Angst vor dem Tod, aber dass mit dem biologischen Sterben alles zu Ende sein soll, ist so schwer zu verstehen. Es geht über die Grenzen meines Vorstellungsvermögens, nicht mehr zu existieren. Morgens nicht mehr aufzuwachen und wissen, wer ich bin. Mich spüren.

Dennoch wage ich zu glauben, dass es Selbstbetrug ist, wenn man nach dem Tod noch etwas erwartet. Jeder Verstorbene dachte einst, er selbst sei so wichtig und fühlte sich genau so lebendig und scheinbar unsterblich wie ich mich jetzt. Und doch ist es vorbei.

Ich wünschte mir, es wäre so. Dass man nicht einfach weg ist im riesigen, unendlichen Universum. Einen Gegenbeweis gibt es ja nicht. Und Hoffnung ist doch menschlich, nicht?

 

RB

YOLO?

Mit den Worten „You Only Live Once“ werden wir auf sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter immer wieder daran erinnert, dass das Leben zu kurz sei, um auf alles zu verzichten.
Viele Jugendliche mögen diese Aussage als Legitimation ansehen, sich gesetzeswidrig und selbstgefährdend zu verhalten.
Natürlich sollte einen dieses Motto nicht dazu verleiten, fahrlässig mit sich und seinen Mitmenschen umzugehen, ganz falsch ist dieser Ratschlag aber sicherlich nicht.
Der Philosoph Robert Pfaller hat sich mit eben diesem Thema auseinandergesetzt und dazu in einem Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger Stellung genommen.
In seinem Buch regt er an, darüber nachzudenken, ob wir in der heutigen Zeit vielleicht zu krampfhaft versuchen, alles korrekt, gesund und vernünftig zu machen.
Nehmen wir uns tatsächlich Lebensqualität, indem wir diszipliniert nach dem Gegenteil streben?

Ich bin der Meinung, dass dem sehr wohl so ist.
Mehrfach war es in meinem Freundeskreis zum Thema geworden, was das eigentlich soll, dass sich plötzlich alle vegan ernähren wollen. Möglichst fettarm, unbedingt Gluten frei und ja nicht zu viele Kohlenhydrate.
Jeder hat auf einmal einen „Daily-Work-Out“-Plan und hat mit Hilfe von Yoga sein inneres Gleichgewicht gefunden.

Ich möchte keineswegs jemanden davon abhalten, sich um seine Gesundheit zu kümmern oder sich auf die Suche nach einer entspannenden Beschäftigung zu machen, aber ich würde diejenigen gerne dazu auffordern, sich darüber klar zu werden, ob sie es wirklich für sich machen, oder weil es gerade ein Trend ist.
Viele schwimmen einfach mit dem Strom, ohne wirklich auf ihr Gefühl zu achten.
Was brauchen wir wirklich? Habe ich Lust, dieses Wochenende die Nacht durchtanzen zu gehen und mit Freunden etwas zu trinken? Wenn ja, was hält mich davon ab?

Ich bezweifle sehr, dass ständige Rationalität der Weg zu Glück ist.
Nicht alles was Spass macht ist vernünftig, aber der Verzicht darauf lässt die Gedanken nur umso mehr um dieses Thema kreisen.
Es macht in meinen Augen keinen Sinn, sich zu quälen mit der Aussicht in 40 Jahren zurückblicken zu können und sagen zu dürfen: „Ich habe vieles verpasst, aber dafür bin ich keinen Gefahren ausgesetzt gewesen.“
Das Leben hält einem so viel bereit und wenn wir schon die Chance als eigenständiges Individuum haben, es uns so zu gestalten, wie wir gedenken, glücklich zu werden, sehe ich keinen Grund, es nicht zu versuchen.
Schliesslich lebt man nur einmal.
-Schülerin LX

PPP und Breugel

Pieter Breugel: Landschaft mit dem Sturz des Ikarus, ca. 1560

Ikarus entfliegt mit seinem Vater Dädalus aus ihrem Gefängnis in Kreta. Selbstgebastelte Flügel ermöglichen ihnen, den Traum aller Menschen erfüllen zu können. Ovid schreibt in seinen Metamorphosen:

Mancher, der mit schwankender Angelrute fischte, mancher Hirte, der sich auf seinen Stab, manch ein Bauer, der sich auf den Pflug stützte, erblickte die beiden, staunte und hielt sie für Götter, da sie die hohe Luft durchqueren konnten.

Doch Ikarus horcht nicht auf den weisen Vater, er nähert sich der Sonne, die das Wachs der Flügel zum Schmelzen bringt. Ikarus stürzt ab.

Breugel zeigt nur seine zappelnden Beine, die noch aus dem Wasser ragen. Fischer, Hirte und Bauer gehen ihren Beschäftigungen nach, der Abgestürzte interessiert sie nicht.

Das Bild steht für die im Schwerpunktfach PPP verbundenen Zugänge zum Menschen: Psychologie, Pädagogik und Philosophie sind drei Sichtweisen. Würden die Männer hinsehen, so könnten sie sich alle erklären, warum Ikarus Flug tragisch geendet hat. Ihre Modelle und Ansätze zeigen aber jeweils nur eine Sicht, die davon profitiert, mit anderen verbunden zu werden.

Das Bild zeigt aber auch, dass das Leben des Menschen alleine und in Gesellschaft interpretationsbedürftig ist. Es reicht nicht aus, das Bild nur anzusehen – erst das Nachdenken darüber ermöglicht eine Erkenntnis. Das ist eine gemeinsame Erfahrung in den drei Disziplinen: Das Handeln, Denken und Fühlen der Menschen werden durch Nachdenken dem Verständnis zugeführt.