Sartre und die Einzigartigkeit

Eine der Kernaussagen des Sartre Texts “Entwurf, Entscheidung, Verantwortung” ist, dass der Mensch nicht nur sich selbst, sondern auch alle anderen Menschen definiert. Denkt man über diese Aussage nach, erscheint sie einem mit der Zeit immer wahrer. Zumindest ging es mir so.

Sartre schreibt: „Es bedeutet, dass der Mensch zuerst existiert, sich begegnet, in der Welt auftaucht und sich danach definiert.“ und beschreibt so den atheistischen Existentialismus. Bei genauerer Betrachtung der Gesellschaft fallen mir einige Dinge auf, die diese Aussage bestätigen.
Denkt man zum Beispiel an die kindliche Entwicklung so kann man nicht leugnen, dass das Kind definiert wird durch den Einfluss der Eltern. Das Kind bemerkt dies nicht, es existiert erst und ist noch nicht in der Lage, zu begreifen was mit ihm geschieht. Doch wird es älter, so wird es selbst anfangen andere Menschen zu definieren und zu beeinflussen.

Auch wenn in der heutigen Zeit jeder Mensch einzigartig und sich selbst sein will, zeigt genau dies in gewissem Sinne die Definition der Menschheit durch den Menschen. Auch diese Werte der Individualität, denen alle so nacheifern, sind schlussendlich nur Werte die der Mensch sich ausgesucht hat. Indem man von sich sagt, dass man individuell sein möchte, erwartet man von der gesamten Menschheit, dass sie genauso denken soll. Denn laut Sartre schaffen wir gleichzeitig mit dem Bild, wie wir selbst sein wollen auch ein Bild des Menschen, wie er sein soll. Nun lässt sich darüber streiten, ob man noch immer individuell ist, wenn man gerne individuell sein möchte, oder ob man nur dem Lauf der Dinge folgt und sich den Wünschen anderer beugt. Wenn man selbst will, dass alle einzigartig sind, ist man dann noch einzigartig? Schliesslich würde einzigartig sein dann zum Standard werden.

Lego.