Sartre und die Einzigartigkeit

Eine der Kernaussagen des Sartre Texts “Entwurf, Entscheidung, Verantwortung” ist, dass der Mensch nicht nur sich selbst, sondern auch alle anderen Menschen definiert. Denkt man über diese Aussage nach, erscheint sie einem mit der Zeit immer wahrer. Zumindest ging es mir so.

Sartre schreibt: „Es bedeutet, dass der Mensch zuerst existiert, sich begegnet, in der Welt auftaucht und sich danach definiert.“ und beschreibt so den atheistischen Existentialismus. Bei genauerer Betrachtung der Gesellschaft fallen mir einige Dinge auf, die diese Aussage bestätigen.
Denkt man zum Beispiel an die kindliche Entwicklung so kann man nicht leugnen, dass das Kind definiert wird durch den Einfluss der Eltern. Das Kind bemerkt dies nicht, es existiert erst und ist noch nicht in der Lage, zu begreifen was mit ihm geschieht. Doch wird es älter, so wird es selbst anfangen andere Menschen zu definieren und zu beeinflussen.

Auch wenn in der heutigen Zeit jeder Mensch einzigartig und sich selbst sein will, zeigt genau dies in gewissem Sinne die Definition der Menschheit durch den Menschen. Auch diese Werte der Individualität, denen alle so nacheifern, sind schlussendlich nur Werte die der Mensch sich ausgesucht hat. Indem man von sich sagt, dass man individuell sein möchte, erwartet man von der gesamten Menschheit, dass sie genauso denken soll. Denn laut Sartre schaffen wir gleichzeitig mit dem Bild, wie wir selbst sein wollen auch ein Bild des Menschen, wie er sein soll. Nun lässt sich darüber streiten, ob man noch immer individuell ist, wenn man gerne individuell sein möchte, oder ob man nur dem Lauf der Dinge folgt und sich den Wünschen anderer beugt. Wenn man selbst will, dass alle einzigartig sind, ist man dann noch einzigartig? Schliesslich würde einzigartig sein dann zum Standard werden.

Lego.

Vernünftig unvernünftig

Ich hätte die Zeit, die ich in das Lesen des Interviews mit Robert Pfaller und in das Schreiben dieses Blogposts gesteckt habe, auch anders investieren können. Ich hätte mich mit einer Tasse Tee und einer warmen Decke aufs Sofa legen und fernsehen können, was mir vielleicht sogar gut getan hätte. Genauso gut hätte ich nichts tun können, einfach eine Weile abschalten. Aber natürlich war ich wie so oft vernünftig und habe mich hingesetzt um meine Aufgabe zu erledigen. Ob das die richtige Entscheidung war? Sagen Sie es mir.

In meinem persönlichen Leben richtet sich auf den ersten Blick viel nach der Vernunft. Ich esse kein Fleisch – Ist ja gesund. Ich rauche nicht – Wer will schon mit dreissig an Lungenkrebs sterben? Ich gehe nicht oft aus – Der Kater könnte mir den nächsten vollgepackten Tag versauen. Ich mache meine Hausaufgaben – Manchmal. Doch wie viel Vernunft ist angebracht? Und wann lohnt es sich, mal vernünftig unvernünftig zu sein?

Es hat mich fast eine halbe Stunde und drei Durchgänge gekostet, das gelesene Interview (hoffentlich) wenigstens grundsätzlich zu verstehen. Und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich Robert Pfaller zustimme und irgendwie doch nicht zustimme. Unentschlossen wie eh und je, die heutige Jugend. Ich verstehe, dass es manchmal wichtig ist zu denken: „Egal, ich mache jetzt was ich will“. Aber ob es eine gute Idee ist, diesen Satz zu seinem Lebensmotto zu machen, da bin ich mir nicht ganz so sicher. Ich kann auch seine Erklärung nachvollziehen, warum wir so denken und handeln wie wir es nun mal tun. Würden wir uns einfach mal gehen lassen, tun was wir wirklich wollen und nicht was andere uns wollen lassen weil sie es nun mal so erwarten, hätte dies  logischerweise Konsequenzen die möglicherweise unangenehm sein könnten. Würde ich in der Schule jede Mathestunde schwänzen und stattdessen an meinem Buch arbeiten, wäre ich wohl sehr viel glücklicher und hätte bald die Schulleitung am Hals. Jetzt stellt man sich natürlich die Frage: Ist es mir das wert? Und seien wir ehrlich, die Antwort wäre nein. Ich stelle meine Ausbildung und Anforderungen meiner Schule über mein Wohlbefinden und wenn man mal so darüber nachdenkt, klingt es unglaublich dumm. Schüler kommen an Punkte, an denen es eigentlich nicht mehr geht und man sich eine Auszeit nehmen sollte, aber der Druck ist zu stark und die Konsequenzen zu hart. Ich wage zu sagen dass, wir mittlerweile so eingelullt sind von Ängsten vor Inakzeptanz und sozialer Entrüstung, dass wir nichts mehr wagen woraus dies resultieren könnte, egal was wir vielleicht unbewusst wollen.  Also macht man weiter und redet sich ein, dass es ja doch irgendwie besser ist so.

Diese Einstellung ist bestimmt nicht die gesündeste aber manchmal muss man wohl einfach durchbeissen. Man kann nicht ständig sagen „Mir egal es geht nur um mich“, manchmal muss man auch ein bisschen zurückschrauben und einfach die Klappe halten. Vielleicht wäre es gut, wieder mehr Spass und mehr Unsinn zuzulassen. Beim Tanzen nicht daran zu denken wie es aussehen könnte, sondern einfach zu tanzen. Bei der Arbeit nicht nach gewonnenen sondern nach zufriedenen Kunden zu gehen. Wenn es regnet den Schirm mal zu zulassen. Und dann krank werden, denn die Konsequenzen muss man tragen.

Was ich sagen will ist: Wir müssen alle ein gesundes Mass finden zwischen „Ich werde der Gesellschaft gerecht und richte mich nach Regeln“ und „YOLO“, denn meiner Meinung nach sind Extreme nie gut. Man schwimmt quasi zwischen Diktatur durch Hirnwäsche oder Gleichheit und Anarchie in der jeder tut und lässt was er will bis die Welt im Chaos versinkt. Wobei man ja nie weiss, was passieren wird, solange man es nicht ausprobiert hat. Wahrscheinlich sowas in Richtung „The Purge“.

Es grüsst, Lego.